Rolex Datejust

Rolex Oyster Datejust

Rolex: Die Erste mit Datum

Rolex gilt als Wegbereiter zahlreicher Innovationen. 1945 stellt die Genfer Uhrenmanufaktur – pünktlich zum 40-jährigen Bestehen – die Oyster Perpetual Datejust vor. Ihr automatisch wechselndes Datum ist ein Meilenstein der Uhrenentwicklung.

Anno 1958: Diese Datejust in Weißgold trägt bereits Datumslupe und geriffelte Lünette. Eine seltene Besonderheit: das Weißgold- Originalband im feinen Backsteinmuster.

Anno 1958: Diese Datejust in Weißgold trägt bereits Datumslupe und geriffelte Lünette. Eine seltene Besonderheit: das Weißgold- Originalband im feinen Backsteinmuster.

Ein, zwei, drei Zeiger – und nicht mehr, so lautet die Devise der Uhren- und Werkehersteller über Jahrhunderte. Ob Taschen- oder Armbanduhren – bis auf Chronographen und komplizierte Kalenderuhren wird den Käufern nicht mehr geboten als Stunde, Minute und die Sekunde. Es dauert bis 1945, ehe Rolex die erste Armbanduhr mit Datumsanzeige und automatischem Datumswechsel präsentiert. Die Geschichte der heute weltbekannten Uhrenmanufaktur beginnt im bayerischen Kulmbach, wo 1881 der Gründer Hans Wilsdorf auf die Welt kommt. Er setzt früh auf die Armbanduhr, obwohl nahezu alle Hersteller noch in der Welt der Taschenuhren verwurzelt sind. Wilsdorf geht derweil im Alter von 24 Jahren nach England, nachdem er in Deutschland eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und in der Schweiz bereits in der Uhrenbranche gearbeitet hat.

1905: Wilsdorf & Davis, der Ursprung eines Weltkonzerns

Nach zwei Jahren in London glaubt Wilsdorf noch immer fest an seine Vision von der Armbanduhr als verkäuflichen Massenartikel. Gemeinsam mit seinem Schwager Alfred James Davis gründet er die Firma Wilsdorf & Davis. Die beiden Partner teilen sich die Geschäfte – Davis ist für die Gehäuse zuständig, während Wilsdorf sich um den Einkauf von Uhrwerken kümmert. Die neue Uhrenmarke braucht noch einen Namen, der vertriebstauglich ist und auch in anderen Sprachen einen guten Eindruck macht. Wilsdorf erfindet 1908 den Begriff Rolex – zahlreiche Theorien gibt es über die Inspirationen zu diesem Namen, bestätigt ist allerdings keine. Bereits 1910 belegt der Gangschein einer Chronometer-Prüfstelle die Präzision einer Uhr von Rolex – heute sind nahezu alle Modelle chronometerzertifiziert durch die Schweizer Chronometrieprüfstelle C.O.S.C. Ab 1913 hat Wilsdorf im Vereinigten Königreich die exklusiven Vermarktungsrechte für die Uhrwerke der Bieler Aegler S.A. Der von Wilsdorf geschützte Name Rolex wird allerdings bis in die 1930er-Jahre noch nicht flächendeckend eingesetzt. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges verlegt Wilsdorf die Firma nach Biel, wo am 17. Januar 1920 die Montres Rolex S.A. in das Handelsregister eingetragen wird. Die Entwicklung und Produktion der Uhrwerke übernimmt dabei weiter Aegler als separate Firma; alleiniger Inhaber und Direktor von Rolex ist nun Hans Wilsdorf.

Rolex bringt die Datumsanzeige aufs Zifferblatt

Eine der ersten Innovationen von Rolex, die enorme Strahlkraft auf den ganzen Uhrenmarkt haben, ist die wasserdichte Armbanduhr. Mit dem Oyster-Case genannten Gehäuse schafft Rolex eine Uhr, die so dicht wie eine Auster war und dies bis heute ist. Charakteristisch ist dabei nach wie vor der Boden mit einer umlaufenden Riffelung, der sich nur per Spezialschlüssel öffnen lässt. 1931 wird die Oyster zur Oyster Perpetual und erhält einen Selbstaufzug ihres Uhrwerkes durch einen umlaufenden Rotor. Für mehr Alltagstauglichkeit integriert Hans Wilsdorf die Anzeige des Tagesdatums in das Zifferblatt. Die Referenz 4467 trägt daher auf drei Uhr ein in Gold gerahmtes Fenster mit dem Datum, das sich über Mitternacht automatisch auf den nächsten Tag umstellt. Unter dem Zifferblatt liegt dafür eine runde Scheibe, das Uhrwerk spannt über Zwischenräder einen Federmechanismus, der die Scheibe über einen Zeitraum um Mitternacht transportiert. Erst 1955 wird die instante Schaltung – also ein Sprung der Scheibe um Punkt Mitternacht – eingeführt.

Modell von 1950 in Stahl-Gold: Der später charakteristische Materialmix erscheint in den 1950er- Jahren. Elegant die Zeiger und Indices, die später einem klassischen Rolex-Design zum Opfer fallen.

Modell von 1950 in Stahl-Gold: Der später charakteristische Materialmix erscheint in den 1950er- Jahren. Elegant die Zeiger und Indices, die später einem klassischen Rolex-Design zum Opfer fallen.

Am Anfang fehlt der Rolex Datejust die charakteristische Datumslupe

Zu Beginn fehlt die heute so charakteristische Lupe über dem Datum. Sie wird erst 1954, nach neun Jahren Datejust, eingeführt und heißt bis heute Zyklop-Linse. Zunächst ist die Datejust in Gelbgold erhältlich, später gibt es auch Uhrenmodelle in Roségold, Stahl oder Stahl-Gold zu kaufen. Die Lünette ist im Münzrand-Design, die stärkere Riffelung kommt erst später auf den Markt. Das Uhrenmodell erweist sich als spontaner Erfolg – der automatische Aufzug, die hohe Ganggenauigkeit und das Datum komplettieren die Rolex Oyster Datejust zu einer hervorragenden Uhr. Die hohe Wasserdichte, die per Schraubkrone und -boden des auch Bubble-Back genannten Gehäuses erreicht wird, sorgt für einen anhaltenden Schutz des Uhrwerks. Der bauchige Boden ist nötig, um das Automatikwerk mit seiner Bauhöhe aufzunehmen.

Rolex Oyster Datejust erfährt weitere Änderungen

Ebenfalls neu im Jahr 1945: das Armband. Mit dem Jubilee-Goldband führt Rolex ein weiteres Design ein, welches bis heute Bestand hat. Als Weiterentwicklung des Rolex-Kalibers 710 kommt das Kaliber 730 mit 17 Steinen in der Basisversion zum Einsatz. Wer eines dieser Erstzeit-Modelle der Datejust sein Eigen nennt oder kaufen möchte, sollte auf einen regelmäßigen Werterhaltungsservice des Uhrwerks achten. Denn Ersatzteile sind kaum zu bekommen – auch Rolex selber kann die historischen Uhrenmodelle nicht mehr reparieren. Die Preise für solche Uhren können astronomische Werte annehmen – auf Auktionen werden teilweise über 10.000 Euro aufgerufen, ein mittlerer Marktpreis kann für die Referenz 4467 nicht ermittelt werden.

Vollgold mit Knickblatt: Gehäuse und Band dieser Datejust von 1967 sind aus massivem Gold. Die Verkäufersignatur Cartier ziert das Zifferblatt, bei welchem es sich um ein seltenes Knickblatt handelt.

Vollgold mit Knickblatt: Gehäuse und Band dieser Datejust von 1967 sind aus massivem Gold. Die Verkäufersignatur Cartier ziert das Zifferblatt, bei welchem es sich um ein seltenes Knickblatt handelt.

Ab 1957 ändert die Datejust die Silhouette – sie wird flacher und bekommt das neue Kaliber 1065. Gemeinsam mit der Lupe zum Ablesen des Datums werden ab 1954 auch erste Damenversionen angeboten. Die Lady Datejust behauptet bis heute die Position eines der erfolgreichsten Modelle aus dem Genfer Haus. Der Preis ist in den 50er-Jahren auch heiß: Eine Datejust in Stahl mit Gelbgold und Jubilee-Band kostet 360 US-Dollar.

Rolex stellt weitere Innovationen vor, wie die Schnellschaltung des Datums

Im Jahr 1965 ändert sich das Kaliber ein weiteres Mal – 1570 lautet nun die Bezeichnung des im Detail verbesserten Uhrwerks. Ab 1972 kann die Chronometer-Zeit auch dank des Sekundenstopps präzise eingestellt werden, zwei Jahre später führt Rolex als einer der ersten Hersteller Saphirgläser ein. Damit sind die kratzempfindlichen Kunststoff-Gläser kein Problem mehr. Hier gibt es für Vintage-Freunde allerdings gute Nachrichten: Ersatzgläser sind auf dem Markt und zu bezahlbaren Preisen zu haben. Im Jahr 1977 gewinnt die Uhr noch eine wertvolle Funktion: die Schnellschaltung für die Datumsanzeige, von Rolex marketingtauglich “Quickset” genannt, die das manuelle Verstellen der Zeitanzeige zur Datumskorrektur ersetzt.

Klassiker: So kennen Fans die Datejust weltweit. Dieses Modell in Bicolor mit Jubilee-Band trägt alle Merkmale, die eine Datejust auszeichnen und ist eines der meistverkauften Modelle der Manufaktur.

Klassiker: So kennen Fans die Datejust weltweit. Dieses Modell in Bicolor mit Jubilee-Band trägt alle Merkmale, die eine Datejust auszeichnen und ist eines der meistverkauften Modelle der Manufaktur.

Mit Batterie: Aus dem Jahr 1979 stammt die Rolex Oysterquartz Datejust. Das Gehäuse aus Edelstahl ist anders geformt, zudem ist diese Uhr nur mit einem fest mit dem Gehäuse verbundenen Band zu haben.

Mit Batterie: Aus dem Jahr 1979 stammt die Rolex Oysterquartz Datejust. Das Gehäuse aus Edelstahl ist anders geformt, zudem ist diese Uhr nur mit einem fest mit dem Gehäuse verbundenen Band zu haben.

Rolex setzt auf Qualität

16 Uhrenfirmen finden sich als Aktionäre an dem 1962 in Neuchâtel gegründeten Centre Electronique Horloger zusammen und entwickeln gemeinsam das Quarzkaliber Beta 21. Doch vor allem Rolex ist mit der Qualität des Werkes nicht einverstanden und verbessert es in den eigenen Ateliers. 1970 sind die ersten Date-Modelle zu kaufen – doch nicht wirklich erfolgreich. Dennoch wird 1977 noch die Oysterquartz (Referenz 17000) präsentiert, mit einem hauseigenen Quarzwerk ausgestattet. Dessen Qualität genügt höchsten Ansprüchen – im Jahr 1978 findet eine dieser Uhren sogar den Weg auf den Mount Everest. Das Träger-Handgelenk ist dabei jenes des Bergsteigers Reinhold Messner – Mensch und Uhr kommen ohne Sauerstoffgerät aus. Die Quarzmodelle sind gebraucht selten zu finden, je nach Zustand und Gehäusematerial liegen die Preise zwischen 2.500 Euro und 10.000 Euro. Auch heute sind die Modelle mit dem – anders als bei der normalen Oyster – integrierten Ansatzband nicht sehr beliebt. Interessant ist eine Serie der zeitgleich gebauten mechanischen Ausführungen, die ebenfalls das tonneauförmige Gehäuse tragen. Doch auch hier bietet der Markt trotz der wenigen Angebote mehr Uhren als Käufer. Liebhaber zahlen dennoch für die Vollgoldmodelle in sehr gutem Zustand mittlere vierstellige Beträge.

Eine der Ältesten: Aus dem Jahr 1947 stammt diese Datejust. Gut zu erkennen ist das bereits vermutlich mehrfach restaurierte Gehäuse, das an den Flanken deutlich schlanker erscheint.

Eine der Ältesten: Aus dem Jahr 1947 stammt diese Datejust. Gut zu erkennen ist das bereits vermutlich mehrfach restaurierte Gehäuse, das an den Flanken deutlich schlanker erscheint.

Anders sieht das bei den Serienmodellen gemäß dem originalen Baumuster aus: Die Oyster Perpetual Datejust in Stahl oder in Stahl mit Weißgoldlünette mit eigens für die Uhr entworfenen Jubilee- oder dem ebenfalls erhältlichen Oysterband zählt zu den wertstabilen Klassikern. Uhren aus den 70er- und 80er-Jahren, mit Gebrauchsspuren und meist mindestens einer erfolgten optischen Überarbeitung, sind mit Glück unter 1.500 Euro zu haben. Bei gebrauchten Uhren ist darauf zu achten, wie schlank die Gehäuseflanken bereits sind. Durch Schliff und nachfolgende Polituren aufgrund von Kratzern büßen die Gehäuse an Taille ein – ein Mangel, der den Preis drücken sollte. Für die Uhrwerke der späteren Modelle ist dafür die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert, ebenso wie die Möglichkeit, Zeiger, Zifferblätter und Armband oder sogar Gehäuseteile zu tauschen.

Rolex Datejust: auch in Bicolor aus Stahl mit Gelbgold ein Klassiker

Ebenfalls ein Klassiker ist die Datejust in Bicolor aus Stahl mit Gelbgold. Hier leiden vor allem die Mittelglieder der Jubilee-Bänder, der von Rolex bekannte Stretch entsteht. Ersatz ist sehr teuer, Reparaturen sind jedoch möglich. Doch der Umstieg auf ein Lederband ebenso – die Metallbänder leiden meist mehr als die Gehäuse selber. Deutlich teurer und weniger beliebt sind Datejust-Modelle in Gold, die einst auf Wunsch auch mit dem Präsident-Band der deutlich teureren Day-Date zu haben sind. Hier reichen die Preise von 3.000 bis knapp an die 10.000 Euro, allerdings sollte der Zustand von Uhr und Band genau betrachtet werden. Ein günstiger Einkauf kann sich teuer rächen, wenn die erste Revision ansteht. Auch hier sollte auf Steinbesatz geachtet werden, der nicht original von Rolex angebracht worden ist. Diese Uhren werden von Rolex nicht zum Service angenommen.

Koralle am Arm: Das Zifferblatt der seltenen Datejust von 1975 besteht aus geschliffener und polierter Koralle. Die Gelbgold-Uhr trägt das Band ihrer große Schwester Day-Date, das Präsident-Band.

Koralle am Arm: Das Zifferblatt der seltenen Datejust von 1975 besteht aus geschliffener und polierter Koralle. Die Gelbgold-Uhr trägt das Band ihrer große Schwester Day-Date, das Präsident-Band.

Erstzeit-Datejust: Das Modell in Gelbgold wird 1950 hergestellt und trägt noch die Münzrand-Lünette. Gut zu erkennen ist hier das Jubilee-Band mit seinem starken »Stretch«.

Erstzeit-Datejust: Das Modell in Gelbgold wird 1950 hergestellt und trägt noch die Münzrand-Lünette. Gut zu erkennen ist hier das Jubilee-Band mit seinem starken »Stretch«.

Die Rolex Datejust bleibt ewig jung und braucht wenig Kosmetik

Eine Rolex Datejust hat einen hohen Wiedererkennungswert, wie nahezu alle Rolex-Modelle. Das Gehäuse wird im Lauf der Zeit flacher, doch die Lünette und die charakteristischen Armbänder Jubilee, Oyster oder Präsident unterstreichen das. Nur wenige Sonderformen sind je erhältlich gewesen – eine davon in den 1980er-Jahren mit Mondphasenindikation, oder die Thunderbird mit drehbarer Lünette. Mit der Jahrtausendwende ist zusätzlich die leicht gewölbte glatte Lünette als Alternative erhältlich. Auch die Gehäusegröße bleibt über Jahrzehnte konstant – bis zur Einführung der aktuellen Datejust II. Die Uhr wächst von 36 auf 41 Millimeter Durchmesser, bleibt also zeitgemäß und immer noch elegant. Das alte Gehäuse ist weiterhin für Damen erhältlich – als Mediumgröße neben dem reinen Damenmodell mit 26 Millimetern Durchmesser. Auch das Werk ist in den letzten Jahrzehnten nur verbessert, aber nicht grundlegend erneuert worden. Mit dem Kaliber 3135 geht die Uhr in die Zukunft, bei der Einführung der Datejust II ergänzt durch das Kaliber 3136 mit Parachrom-Bleu-Spirale. Stete Verbesserungen perfektionieren die Uhr zu dem, was sie als Kernwert ist: Ein zuverlässiger Begleiter, hochpräzise und langlebig.

Text: Thomas Gronenthal
Fotos: Antiquorum

Thomas Gronenthal, Jahrgang 1978, kann sich nicht mehr erinnern, wann er damit begann, sich für mechanische Uhren und ihre Werke zu interessieren. Seit 15 Jahren schraubt er dabei auch an den tickenden Zeitmessern.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich 2013 online gestellt.


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