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5 Tipps für die richtige Entscheidung beim Uhrenkauf

Gefälschte Uhren: Wie Sie echte Uhren von Replica-Uhren unterscheiden

In diesem Artikel aus meinem Blog Fratellowatches möchte ich Ihnen fünf Tipps für den Uhrenkauf geben: Er soll Ihnen helfen, echte Uhren von Replica-Uhren zu unterscheiden. Doch ich muss gleich zu Beginn ein kleines Geständnis machen: Es ist nichts, worauf ich sonderlich stolz bin, es zeigt aber, wie leicht man getäuscht werden kann. 2003 begann ich mit der Suche nach einem Oyster-Armband für meine Rolex Datejust, die ich beim Kauf mit einem Jubilee-Armband erhielt. Schnell wurde ich auf eBay fündig und nachdem ich mir einen Überblick über die Verkäuferbewertungen verschafft hatte, entschied ich mich, auf „Jetzt kaufen” zu klicken. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Preis erinnern, aber er war attraktiv.

Tipp für den Uhrenkauf #1: Nicht vom Impuls mitreißen lassen

Allerdings war der Betrag nicht niedrig genug, um ihn als „zu schön, um wahr zu sein” zu bezeichnen. Als das Armband bei mir ankam, fiel mir sehr schnell auf, dass es sich um eine Fälschung handelte. Wäre ich mit meiner Kaufentscheidung nicht so vorschnell gewesen und hätte ich das Angebot vorher besser geprüft, dann wäre mir aufgefallen, dass die Clasp Codes falsch und die Referenznummer an der verkehrten Stelle graviert sind. Mit diesem Kauf zahlte ich mein Lehrgeld. Seitdem tätige ich keine Impulskäufe mehr, wenn ich mir nicht absolut sicher bin, dass alles in Ordnung ist.

Sicher ein Witz von Quentin Tarantino, denn die Rolex Daytona, die im Film Kill Bill II ihren Auftritt hat, ist eine offensichtliche Fälschung, zu sehen an den Hilfszifferblättern.

Sicher ein Witz von Quentin Tarantino, denn die Rolex Daytona, die im Film Kill Bill II ihren Auftritt hat, ist eine offensichtliche Fälschung, zu sehen an den Hilfszifferblättern.

In diesem Artikel möchte ich mich mit dem Kauf von Replica-Uhren – oder sogar schlimmer – sogenannten Frankenwatches, also Uhren, die aus verschiedensten Teilen zusammgengebaut werden, auseinandersetzen. Am Kauf einer billigen gefälschten Uhr sind Menschen interessiert, die sehr gern eine Rolex besitzen würden, aber nur über ein begrenztes Budget von 100 Euro oder weniger verfügen.

Replica-Uhren sind nicht gleich Replica-Uhren

Ihnen ist vollkommen bewusst, dass sie eine Replica-Uhr kaufen, und sie haben auch nicht die Absicht, ein Original zu erwerben. Denn die gefälschte Uhr passt wahrscheinlich auch hervorragend zur nachgemachten Louis-Vuitton-Tasche und dem imitierten Hermès-Gürtel. Aber widmen wir uns dieser Kategorie nicht weiter. Denn: „Fake watches are for fake people

Einige Replica Uhren sind so authentisch, dass man erst die Uhr öffnen muss, um zu sehen, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Einige Replica Uhren sind so authentisch, dass man erst die Uhr öffnen muss, um zu sehen, dass es sich um eine Fälschung handelt.
Foto: Suisse Watch Service

Zunächst muss ich jedoch zwischen Replica-Uhren und Frankenwatches unterscheiden. Eine Replica-Uhr ist eine vollständig gefälschte Uhr. Nichts an dieser Uhr ist echt. Heutzutage sind einige Replica-Uhren kaum noch vom Original zu unterscheiden. Denn sie sind aus brauchbarem Edelstahl gefertigt, die meisten Details stimmen und vielleicht werden sie sogar noch mit gefälschten Papieren und in einer nachgemachten Box verkauft.

Tipp für den Uhrenkauf #2: Kein Fachhändler? Angebot genau prüfen

Seien Sie also beim Kauf einer mechanischen Uhr, die Sie nicht beim autorisierten Fachhändler erwerben, besonders vorsichtig. Zwei Aspekte können jedoch eines Hinweis darauf geben, ob es sich um eine Fälschung handelt:

1. Der Preis: Wenn der Preis zu schön ist, um wahr zu sein, sollten Sie die Finger von der Uhr lassen.

2. Das Uhrwerk: Vergewissern Sie sich, ob in der Uhr ein Originalwerk verbaut ist und prüfen Sie die Details der Uhr, um ganz sicherzugehen. Am Besten nehmen Sie zum Kauf eine ähnliche Uhr mit, von der Sie wissen, dass sie echt ist.

Ein bekanntes Modell mit einem ungewöhnlichen Zifferblatt: eine Rolex Datejust mit deutscher Schrift

Ein bekanntes Modell mit einem ungewöhnlichen Zifferblatt: eine Rolex Datejust mit deutscher Schrift

Frankenwatches sind wiederum eine andere, meiner Meinung nach sogar noch gefährlichere Angelegenheit. Eine Frankenwatch ist eine Uhr, die hauptsächlich aus originalen Teilen besteht.

Der Unterschied zwischen Replica-Uhren und Frankenwatches

Jedoch gehören die Einzelteile, aus denen die Uhr zusammengesetzt ist, nicht zusammen – weil sie entweder vom Herstellungzeitpunkt nicht zusammenpassen oder ursprünglich gar nicht in dem Modell verbaut wurden. Eine Rolex Submariner aus dem Jahr 1965 wird zum Beispiel zur Frankenwatch mit dem Uhrwerk einer später produzierten Rolex, das nicht einmal das einer Submariner sein muss. Fügt der Besitzer noch ein nicht zum Original zugehöriges Armband, eine Lünette von einem späteren Modell und ein Ersatzplexiglas hinzu, ergibt das eine Frankenwatch. Und genau dieser Mix macht es oft so schwer, eine echte Vintage-Uhr von einer Frankenwatch zu unterscheiden.

Tipp für den Uhrenkauf #3: Marken- und Modellhistorie recherchieren

In beiden Fällen ist Wissen der Schlüssel zur richtigen Kaufentscheidung. Um den Kauf einer Replica-Uhr oder einer Frankenwatch zu vermeiden, sollten Sie sich ausreichend über das Modell und dessen Historie informieren. Der Wissenstand hängt natürlich vom Dokumentationsgrad über eine Marke oder eine spezifische Uhr ab. Zu zahlreichen Marken gibt es großartige Bücher, wie das Buch “Moonwatch Only” oder “Longines Watches“, die Sie zu regelrechten Experten auf diesem Gebiet machen. Die Bücher sind zwar nicht günstig, können aber vor einem teuren Fehlkauf bewahren.

Der Schlüssel zum Kauf einer echten Vintage-Uhr ist Wissen und das finden Sie in Fachliteratur, z.B. dem Buch "Moonwatch Only" zur Omega Speedmaster.

Der Schlüssel zum Kauf einer echten Vintage-Uhr ist Wissen und das finden Sie in Fachliteratur, z.B. dem Buch “Moonwatch Only” zur Omega Speedmaster.

Die einfachste Methode ist aber der Gang zu einem autorisierten Fachhändler und der Kauf einer neuen Uhr. Das löst jedoch nicht die Probleme auf dem Gebraucht- und Vintage-Uhrenmarkt. Die Nachfrage nach einigen nicht mehr produzierten Modellen und Vintage-Uhren ist so stark, dass die Preise dementsprechend hoch sind und dieser Umstand ruft wiederum Kriminelle auf den Plan, die mit dem Betrug an leidenschaftlichen Sammlern und Käufern ein Vermögen verdienen wollen.

Tipp für den Uhrenkauf #4: Kontakt zum Hersteller suchen

Viele Uhrenmarken behaupten auch immer wieder, dass das Internet ein schlechter Ort für den Uhrenkauf sei. Die Ansicht vertreten insbesondere Marken, die im Bezug auf das Online-Geschäft keine klare Strategie verfolgen und somit der Diskussion leicht aus dem Weg gehen. Wir wissen es selbstverständlich besser. Denn zahlreiche Marken helfen auch gerne weiter, wenn Sie etwas über eine nicht mehr hergestellte Uhr oder sogar eine Vintage-Uhr wissen wollen. Sie informieren darüber, ob die Teile original sind, geben Auskunft über die Herkunft der Uhr, und manchmal bieten die Hersteller sogar eine Überprüfung der Uhr an. Letzteres bedeutet aber, dass Sie die Uhr bereits gekauft haben. Wenn sehr viel Geld im Spiel ist, erklärt sich ein Verkäufer vielleicht damit einverstanden, die Uhr bei einer Marke oder dem Service-Zentrum einer Marke auf Echtheit prüfen zu lassen. Für den Sänger John Mayer kommt diese Option leider zu spät, denn so fand er heraus, dass einige seiner Uhren gefälscht sind.

Fachliteratur zur Rolex GMT-Master

Fachliteratur zur Rolex GMT-Master

Egal, ob Sie sich das Uhrenwissen selbst aneignen oder auf das Wissen anderer Sammler zurückgreifen, so sind Sie bestens gewappnet, keine Replica-Uhren zu kaufen. Diese Regel gilt selbstverständlich nicht nur für den Online-Kauf, sondern auch für Gebraucht- und Vintage-Uhren, die von traditionellen Ladengeschäften und auf Auktionen (ja, selbst Frankenwatches und gefälschte Uhren werden dort ab und an versteigert) verkauft werden.

Tipp für den Uhrenkauf #5: Sammler-Wissen nutzen

Darüber hinaus gibt es Markenforen, in denen zahlreiche bewanderte User hilfreiche Beiträge posten, und selbstverständlich verschiedene Uhrenblogs, die sich mit unterschiedlichen Armbanduhren beschäftigen. Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich, und holen Sie sich im Zweifelsfall immer eine zweite Meinung ein. Tipps können auch gerne im Kommentarbereich geteilt werden.

Robert-Jan Broer, Jahrgang 1977, lebt in den Niederlanden. Seine Leidenschaft sind Uhren. Er ist Autor bei verschiedenen Uhrenzeitschriften und betreibt seit 2004 den Blog Fratellowatches. Seit März 2012 ist Robert-Jan Broer Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Chronolytics. Auf Watchtime.net stellen wir Ihnen seine Artikel auf Deutsch zur Verfügung: www.fratellowatches.com

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im September 2014.


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